In Dersim setzte Mustafa Kemal Ataturk Senfgas gegen die alevitische Bevölkerung ein und richtete ein Massaker mit der Unterstützung der Deutschen an. Auch heute wird dieser Kampfstoff durch das faschistische Regime der Türkei gegen die Guerilla eingesetzt…

Senfgas oder auch Lost genannt hat sich durch den Einsatz deutscher Soldaten im Ersten Weltkrieg einen berüchtigten Namen eingehandelt. Das Gas das zu Beginn mit Gasflaschen versprüht wurde, änderte mit dem Wind seine Richtung und führte auch auf deutscher Seite zu Schäden bei den Soldaten. Später wurden dafür Artilleriegeschosse und Granatwerfer konstruiert mit denen das Gas auf die gegnerische Seite abgeschossen wurde.

Ein weiterer Kampfstoff mit dem die deutsche Staatsgeschichte sich die Hände blutig machte. Als im Jahr 1937/38 das Massaker an der alevitischen Bevölkerung in Dersim stattfand, setzte der faschistische Führer Mustafa Kemal Ataturk Senfgas gegen die Menschen in Dersim ein, dass er zuvor von Deutschland erhalten hat. Auch heute werden Kampfstoffe gegen die kämpfenden Kurdinnen und Kurden der Freiheitsbewegung in den freien Bergen Kurdistans eingesetzt, die die faschistische AKP-MHP Regierung durch die Unterstützung der NATO erhalten hat.

3.2.3 YELLOW CROSS MUSTART –GELBKREUZ – HAUTKAMPFSTOFF

SENFGAS- LOST

Senfgas oder Lost wird die Chemikalie Bis(2-chlorethyl)sulfid genannt, welcher als chemischer Kampfstoff eingesetzt wird und ätzend auf die Haut wirkt. Weiter Bezeichnungen des Kampfstoffes sind auch Schwefellost, S-Lost, Sulfur Mustard, Mustard Gas, oder kurz Mustard, Gelbkreuzgas, Yperit oder Schwefelyperit. Der NATO-Code für diesen Kampfstoff lautet HD.

Die in reiner Form bei Raumtemperatur farb- und geruchlose Flüssigkeit, besitzt einen Senf oder Knoblauch ähnlichen Geruch, wenn er nicht in hoch gereinigter Form produziert wurde.

GESCHICHTE

Der belgischer Chemiker César-Mansuète Despretz stellte 1822 beim experimentieren mit Ethen und Schwefeldichlorid die Entstehung einer übelriechenden Flüssigkeit fest. Im Anschluss folgenden diverse Entdeckungen und Versuche verschiedener Chemiker, bis der deutsche Chemiker Victor Meyer als erstes im Jahr 1886 die Chemikalie vollständig beschrieb. Der Vorschlag zur Verwendung dieser Flüssigkeit als Giftgas kam wiederum von den deutschen Chemikern Lommel und Steinkopf im Jahr 1916, die als Mitarbeiter von Fritz Haber am Kaiser-Wilhelm-Institut arbeiteten. Daher kommt auch der Name Lost, der aus den beiden ersten Buchstaben ihrer Nachnamen hervorgekommen ist.

Bereits 1917 setzten die deutschen Truppen das erste Mal Senfgas in Ypern ein. Da Senfgas die betroffenen Personen schwer entstellt, wirkte sich das auch psychologisch auf die gegnerischen Soldaten aus und Senfgas wurde zu einer der gefürchtetsten Waffen im Ersten Weltkrieg. Allerdings war die Todesrate durch Senfgas deutlich geringer als die von Phosgen.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Senfgas 1925 unter Mitwirkung des deutschen Chemikers Hugo Stoltzenberg großflächig gegen Kabylerinnen und Kablyer eingesetzt, die sich in Marokko gegen die spanische Vorherrschaft wehrten.

Während der faschistischen NS-Regierung in Deutschland wurde bis 1942 in Munster und Ammendorf bei Halle von der Firma ORGACID GmbH Senfgas produziert, welcher jedoch im Zweiten Weltkrieg nicht eingesetzt wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden diese Giftgasbestände in der Ostsee versenkt, welches nun in kleinen Klumpen die wie Bernstein aussehen aus den Fässern austritt und an Land gespült wird.

Im Zweiten Weltkrieg wurde der Einsatz von sogenannten Senfgasbomben bekannt, polnische Truppen setzten diese Bomben ein um eine Brücke zu sprengen und eine Straßensperre zu verminen. Nachdem die deutsche Luftwaffe den italienischen Hafen von Bari bombardierte, trafen die Bombardierungen auch den US-Frachter John Harvey der unter anderem mit Senfgasgranaten beladen war.

Am 03. Oktober 1935 setzte Mussolini im Kolonialkrieg gegen Äthiopien ebenfalls Senfgas ein. Der Kampfstoff wurde gegen äthiopische Soldaten und gegen die Zivilbevölkerung benutzt und führte zu einem Massenmord. Auch landwirtschaftliche Anbauflächen wurden mit Senfgas kontaminiert und ganze Dörfer eingeäschert. Senfgas wurde an vielen weiteren Orten eingesetzt.

Vieles spricht dafür das es beim Dersim-Genozid im Jahr 1937/38 Senfgas eingesetzt wurde, als Mustafa Kemal Atatürk tausende alevitische Kurdinnen und Kurden in Höhlen vergasen ließ. Im Mai 2019 waren bisher unbekannte Dokumente aus dem türkischen Staatsarchiv veröffentlicht worden, die zeigten, dass der „Vater der Türken“ am 7. August 1937 ein geheimes Dekret zur Bestellung von 20 Tonnen chemischer Kampfstoffe und einer automatischen Abfüllanlage in Deutschland unterzeichnet hatte. Bei den über die türkische Botschaft in Berlin eingekauften Kampfstoffen handelte es sich um Gelbkreuz/Senfgas und Chloracetophenon, einem dem CS-Gas ähnlichen Stoff.

WIRKUNGSWEISE

Senfgas wird hauptsächlich über die Haut aufgenommen, dessen Dämpfe haben aber auch Auswirkungen auf die Atemwege. Senfgas ist ein starkes Hautgift und krebserregend. Auf der Haut verursacht Senfgas starke Verbrennungen und Verätzungen. Es bilden sich große Blasen, die starke Schmerzen auslösen. Die entstandenen Verletzungen heilen sehr schlecht, da das Gewebe nachhaltig zerstört wird und die Zellteilung gehemmt wird. Großflächig betroffene Gliedmaßen müssen amputiert werden. Die Inhalation der giften Dämpfe sorgen dafür das die Bronchien zerstört werden. Auch die Augen reagieren Empfindlich auf den Dampf von Senfgas. Folgen sind vorübergehende oder dauerhafte Erblindung des Auges. Da Augen bis zu einem gewissen Grad in der Lage sind sich zu regenerieren, besteht die Hoffnung auf Heilung, auch wenn das Monate in Anspruch nehmen kann.

Besonders gefährlich bei Senfgas ist, dass der Mensch zunächst die Aufnahme auf der Haut nicht spürt, da weder Anzeichen von Kälte- oder Nässe zu spüren sind, dadurch bemerkt das Opfer die Vergiftung nicht. Senfgas ob flüssig als auch als Gas dringt durch handelsübliche Textilien ein und entfaltet seine Wirkung erst nach längerer Zeit.

VERBOTEN

Senfgas wird als Chemikalie der Liste 1 im internationalen Abrüstungsvertrages CWÜ von der hierfür zuständigen UN-Behörde OPCW mit Sitz in Den Haag kontrolliert. Die Entwicklung oder der Besitz zu militärischen Zwecken ist verboten.

(Quellen: Wikipedia.de, Chemie.de, gifte.org)

Kategorien: Gasmasken