Die Kämpfer:innen der YJA Star und HPG führen einen transparenten Krieg gegen die türkische Armee, während diese ihre Opfer verschleiert. Seit dem 20. Juli sind mindestens 25 türkische Soldaten gestorben.

In der Nacht zum 20. Juli begann die türkische Armee eine neue Invasionsoperation im westlichen Zap-Gebiet in Südkurdistan. Bei den türkischen Operationen spielt oft auch Symbolpolitik eine wichtige Rolle. Diesmal wurde der 100. Jahrestag des Lausanner Teilungsabkommens gegen Kurdistan für den Beginn der Invasion gewählt. Damit sollte folgende Botschaft vermittelt werden: „Auch 100 Jahre nach Lausanne machen wir mit Genozid, Besatzung, Invasion, Kriegsverbrechen und allem anderen Übel weiter!“

Aber unabhängig davon, ob ein solcher Tag gewählt wird oder nicht, kennt die Guerilla den Charakter der türkischen Armee sehr gut und weiß genau, dass das Schicksal der Kurd:innen nicht an den Konferenztischen der Besatzer entschieden wird, sondern in ihren Kampfstellungen. Deshalb führt die Guerilla unabhängig davon, wie sich die politischen Gleichgewichte, Bündnisse und politischen Ansätze entwickeln, weiterhin den konsequentesten Kampf gegen den kolonialistischen türkischen Staat, ohne sich auf irgendjemanden oder irgendeine andere Kraft als die des eigenen Kampfes zu verlassen. Der Krieg im Gebiet Girê Cûdî in der westlichen Zap-Region ist heute eines der konkretesten Beispiele für die Beständigkeit des Guerillakampfes, ganz gleich, unter welchen Bedingungen, zu welcher Jahreszeit und um welche Arten von Angriffen es sich handelt.

Die türkische Armee weiß selbst, dass sie bei der Operation, die sie in diesem Gebiet gestartet hat, viele Nachteile hat: Die Tatsache, dass sie sich nach sieben Monaten Krieg aus diesem Gebiet zurückziehen musste, den Verlust an Prestige und Vertrauen, den sie erlitten hat, nachdem sie ihre eigenen Soldaten auf diesem Gipfel verbrannt hat, die Tatsache, dass sie es aufgrund der Verluste, die sie in der Vergangenheit erlitten hat, nicht mehr wagt, ihre ausgebildeten Kader in dieses Gebiet zu entsenden, die müden Soldaten, die angesichts des anhaltenden Widerstands nicht viel Einsatz zeigen können, die Temperaturen, die manchmal 50 Grad erreichen, die Geländebedingungen usw. – wir können noch viele weitere Gründe für die benachteiligte Position der türkischen Armee, insbesondere bei der am 20. Juli begonnenen Besatzungsoperation, aufzählen. Warum hat die türkische Regierung also trotz all dieser negativen Aspekte eine neue Operation in dem Gebiet, in dem sie zuvor bereits geschlagen wurde, eingeleitet?

Die Zap-Operation konfrontiert die türkische Armee mit der Realität

Die von der türkischen Armee am 14. April 2022 in der Zap-Region gestartete Operation blieb an den Widerstandspositionen von Sîda und den Widerstandsgebieten westlich des Zap hängen. Nach ihren Berechnungen hätte das gesamte Gebiet bis Ende 2022 eingenommen werden müssen, aber dies gelang nicht. Der Guerillawiderstand dauerte länger als erwartet und die Armee musste sich fluchtartig aus der westlichen Zap-Region zurückziehen. Die türkische Armee konnte dort keinen Sieg erringen. Die Zap-Operation war für sie eine Enttäuschung. Der türkische Staat basiert jedoch auf Krieg und Blutvergießen. Deshalb musste eine solche Operation gestartet werden, um vor allem in den Medya-Verteidigungsgebieten wieder Präsenz zu zeigen. Die am 20. Juli begonnene Operation ist also die Suche nach einem neuen Ausgangspunkt für den türkischen Staat.

Der Guerillawiderstand lebt

Die türkische Armee ging davon aus, dass die Guerilla, die hier zuvor sieben Monate lang Widerstand geleistet hatte, gegen eine zweite Invasion nicht so aktiv auftreten könne wie bei der ersten. Sie erwartete eine frustrierte, unvorbereitete und selbstgefällige Truppe, die sie in einer ersten Offensive besiegen könnte. Im Glauben, dass die Guerilla nicht in der Lage sein würde, einen dauerhaften Kampf zu führen, versuchte die türkische Armee erneut, den Girê Cûdî einzunehmen. Doch auch hier stimmten die im Hauptquartier gemachten Pläne nicht mit der Realität des Zap überein.

Die Guerilla hat sich seit Dezember, als sich die türkische Armee vom Girê Cûdî zurückzog, weiter vorbereitet und ist stärker und widerstandsfähiger denn je. In der ersten Angriffsnacht wusste sie mit ihrer rationalen, vorsichtigen und vorausschauenden Vorgehensweise genau zum richtigen Zeitpunkt auf die Invasionsversuche der türkischen Armee zu reagieren. Und trotz aller bisherigen Angriffe verteidigte sie ihre Stellungen ohne einen einzigen Verlust.

Die Spezialkriegsmedien stellen die Guerilla jedoch so dar, als sei sie überrumpelt und geschockt worden, als habe die türkische Armee ihre ungünstige Lage zu ihren Gunsten gewendet. Auf Aufnahmen, die nicht von uns, sondern von Soldaten selbst verbreitet wurden, hörten wir jedoch die Notrufe der Soldaten in dem Moment, als der Sikorsky-Hubschrauber, der sie absetzen sollte, unter Beschuss geriet. Schon wenige Sekunden der Bilder reichen aus, um den Verlauf des Krieges zusammenzufassen. Wie kann eine unvorbereitete, selbstgefällige und kampfunfähige Truppe einen Hubschrauber, der zum ersten Mal in dem Gebiet landet, so präzise treffen? Es sei auch daran erinnert, dass der Soldat, der dieses Video verbreitet hat, möglicherweise bald durch einen „Unfall“ ums Leben kommt. Genauso wie der Soldat, der über die Bedingungen als Soldat in der Zap-Region gesprochen hatte, vor kurzem durch einen „Unfall“ ums Leben kam.

Die Verluste werden verschleiert

Das Pressezentrum der HPG teilt die Entwicklungen des Krieges in allen Einzelheiten mit. Es berichtet täglich über die feindlichen Bewegungen und die Gefallenen der Guerilla, ohne etwas vor der Öffentlichkeit zu verbergen. Die türkische Armee übertreibt jedoch den Umfang der eigenen Operation. Sie tut so, als ob sie in einem sehr großen Gebiet operieren würde, und wagt es nicht einmal, die Identität der Soldaten bekannt zu geben, die seit der Nacht des 20. Juli getötet wurden. Erst in den jüngsten Tagen gaben sie bekannt, dass einer ihrer Soldaten im Gebiet der Operation „Klauenschloss“ getötet wurde. Aus irgendeinem Grund soll er von einem Hubschrauberrotor tödlich getroffen worden sein. Ein Soldat namens Erdem Kavlak wurde ebenfalls bei einem „Unfall“ mit seiner eigenen Waffe getötet. Vor zwei Tagen rutschte ein Dorfschützer aus, stürzte und starb in Gabar. Es ist nicht möglich, dass es sich bei all den Behauptungen, die in den letzten Tagen immer wieder gemacht wurden, um Zufälle handelt. Bemerkenswert ist, dass die türkische Öffentlichkeit, die 24 Stunden am Tag von Propagandaoperationen beherrscht wird, oder eine der Familien dieser Soldaten sich nicht zu Wort melden und sagen: „Was ist das für eine Armee, dass jeden Tag ein Soldat einem Unfall zum Opfer fällt?“

Die türkische Armee verschweigt die Identität der von der Guerilla getöteten Soldaten. Dies wurde Dutzende Male von der Guerilla dokumentiert. Es wirft Fragen auf, wie diese im visuellen Produktionszentrum des türkischen Verteidigungsministeriums als unbesiegbar und professionell dargestellten Soldaten wirklich so unvorsichtig sein können, dass sie sich im Tagesabstand nacheinander mit der eigenen Waffe erschießen oder von einem Hubschrauberrotor getroffen werden.

In den letzten fünf Tagen wurden mehr als 25 Soldaten bei Gefechten im Widerstandsgebiet Girê Cûdî getötet. Es bleibt abzuwarten, ob die Identität dieser Soldaten als „Unfall“ bekannt gegeben wird oder ob sie, wie bei vielen der bisher getöteten Soldaten, einfach verschwiegen werden.

Die Guerilla führt einen transparenten Krieg

Die YJA Star und HPG führen einen transparenten Krieg gegen dieses Übel, ohne zu betrügen, zu lügen oder zu übertreiben. Im Jahr 2022 fügten sie der türkischen Armee in sieben Monaten Tunnel- und Geländekrieg einen der größten Schläge in ihrer Geschichte zu und schafften es, sie zurückzuschlagen. Die Ergebnisse der ersten Tage des Krieges zeigen, dass ein zweiter Sieg in der westlichen Zap-Region bevorsteht. Die Guerillakämpferinnen und -kämpfer haben im Vergleich zu den Vorjahren vor allem im Tunnelkrieg große Erfahrungen gesammelt und wissen nun besser, wie sie sich gegen das Giftgas, die Technik und die unkonventionellen Bomben schützen können. Sie können sich nicht nur selbst schützen, sondern auch in die Offensive gehen. Daher wird im westlichen Zap nichts anderes geschehen als im vergangenen Jahr. Die Guerilla wird erneut siegen.

Bei den Erklärungen der HPG zur den letzten fünf Kriegstagen fällt auf, dass die meisten Aktionen von der Frauenguerilla YJA Star durchgeführt wurden. Der taktische Reichtum und die Entschlossenheit zum Angriff, die die YJA Star erreicht haben, spielen eine sehr entscheidende Rolle in diesem Krieg. Die YJA Star sind aktiver denn je. Sie gehen mit weiblicher Intelligenz gegen den hässlichsten Vertreter des Patriarchats, die türkische Armee, vor. Sie haben bereits den Krieg im Jahr 2022 angeführt und sind entschlossen, den Feind auch in diesem Jahr im Zap nicht passieren zu lassen.

https://anfdeutsch.com/kurdistan/analyse-der-krieg-im-westlichen-zap-gebiet-38414?s=09

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