Die Ereignisse in Nord- und Ostsyrien haben sich in den vergangen Wochen mehrmals überschlagen. Nach den Gesprächen in Paris vom 5. Januar zwischen der syrischen Übergangsregierung sowie Israel, der Türkei und wohl auch einer amerikanischen Delegation, folgten die Angriffe auf die kurdischen Stadtviertel in Aleppo und kurze Zeit später auch die grössere Angriffswelle auf die Gebiete der Selbstverwaltung. Unter Druck der imperialistischen und regionalen Grossmächte wurde am 30. Januar schliesslich ein Waffenstillstandsabkommen zwischen der Selbstverwaltung und der Übergangsregierung getroffen.

Zu diesem Zeitpunkt kann nicht vorhergesagt werden, wie das Abkommen im Einzelnen umgesetzt werden wird, viele Punkte sind darin noch nicht enthalten oder geklärt. Aber wir möchten an dieser Stelle festhalten, wie es überhaupt dazu gekommen ist. Es ist die Erfahrung des jahrelangen Widerstands innerhalb des revolutionären Volkskrieges der es der Selbstverwaltung ermöglicht hat, sich der geeinten Front von Jolani über die Türkei bis zur USA sich im Rahmen des Möglichen zu widersetzen, Massaker an der Bevölkerung zu verhindern und ein bedeutendes Gewicht am Verhandlungstisch zu verschaffen. Ebenso zu erwähnen ist der grosse Widerstand auf den Strassen weltweit, der innerhalb kürzester Zeit zehntausende Menschen zu Demonstrationen und Aktionen zu mobilisieren vermochte und so auch seinen Beitrag zum Gewicht in den Verhandlungen leisten konnte.

Trotz mehrfach bekräftigter Gesprächsbereitschaft und dem Ausrufen von unzähligen Waffenstillständen war es den militärischen Kräften des neuen syrischen Regimes (HTS) und seinen Verbündeten, türkisch gesteuerten Milizen (SNA), möglich die Front bis nach Kobanê und Hesekê zu verschieben. Kobanê wurde eingekesselt und im Norden der Stadt, also an der Grenze der Türkei, haben sich derweilen das türkische Militär mit Panzern zum eingreifen aufgestellt.

Die Offensive der dschihadistischen Milizen und ihrer Verbündeten wäre nicht ohne die Zustimmung oder zumindest Billigung der USA, sowie der Regionalmächte Türkei und Israel möglich gewesen. Auch die Europäische Union spielt ihre Rolle und war bereits zur Stelle um dem neuen syrischen Regime Unterstützung von 620 Millionen Euro zuzusichern, während die Massaker in Aleppo noch im Gange waren.

Wie sind diese Ereignisse aus revolutionärer Perspektive, aus den Metropolen heraus, zu bewerten? Es zeigt sich mit aller Klarheit, dass der Kampf um die Revolution von Rojava nicht nur im Mittleren Osten ausgetragen wird. Die Verantwortlichen imperialistischen Kräfte sind auch hier bei uns, im eigenen Land, zu finden. Auch die Schweiz sandte im Januar bereits zwei Delegationen nach Damaskus um die Handelsbeziehungen zu vertiefen.

Gleichzeitig gilt es anzuerkennen, dass der revolutionäre Prozess in Rojava, so bedroht er auch sein möge, bereits jetzt unumstössliche Tatsachen geschaffen hat. Die Kraft welche die Frauenrevolution weltweit entfaltet, kann nicht mehr rückgängig gemacht werden. Die Erkenntnis, dass auf die eigenen Kräfte zu bauen und zu vertrauen ist, kann nicht mehr vergessen werden. Es sind diese Errungenschaften der Revolution die es zu verteidigen und hervorzuheben gilt. Denn innerhalb eines revolutionären Prozesses, der sich über einen grossen historischen Zeitraum erstreckt, ist es von zentraler Bedeutung, den Strang der Kontinuität aufzuspüren und nicht mehr zu verlieren. Die Stärke des revolutionären Volkskrieges in Rojava zeichnet sich genau dadurch aus, dass dieser Strang in den unterschiedlichsten, komplexen und schwierigen Phasen immer weiter entwickelt wurde und auch heute weiter entwickelt wird.

Wie sieht die Linie des revolutionären Internationalismus in diesen Zeiten aus? Es gilt sich nicht auf Nebenschauplätzen zu verirren, sondern die Kontinuität der eigenen Linie und Praxis beizubehalten und weiterzuentwickeln. Das heisst weiter zu benennen, dass der Feind im eigenen Land steht, zu versuchen, die internationale Solidarität mit dem revolutionären Prozess im eigenen Land zu verbinden und dadurch einerseits mittelbar den Freund:innen Luft zu verschaffen und andererseits den revolutionären Prozess im eigenen Land voranzutreiben.

Schliessen wir die Reihen des Widerstandes von Rojava, organisieren wir uns hier und lassen dem Feind kein ruhiges Hinterland.

Für den revolutionären Internationalismus !

Smash Turkish Fascism !

Widerstandsvernetzung Schweiz, 15. Februar 2026

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